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Management

Mami oder Manager?

„Und Deine Kinder?“ „Die haben auch einen Vater.“

So ähnlich spielt sich der Dialog zwischen einer französischen Managerin und ihren deutschen Kollegen ab. Die Französin arbeitet gerne und sitzt manchmal länger im Büro. An die Fragen ihrer Kollegen musste sie sich erst gewöhnen. Für sie ist es selbstverständlich, dass Mütter auch leidenschaftlich ganztags arbeiten und sich die Väter auch um die Kinder kümmern.

Letzte Woche habe ich an einem Werkstattgespräch im Bayerischen Landtag zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft teilgenommen. Das Thema war „Familienfreundliche Arbeitswelt“. Dabei wurde auch das Rollenbild von Frau und Mann im Berufsleben angesprochen.

Für mich ist das ein sehr spannendes Thema. Rollenbilder spiegeln das Wertesystem einer Gesellschaft. Werte wiederum sind die Grundlage für das Verhalten, die Wahrnehmung und die  Denkmuster von Menschen. Und bei interkultureller Kommunikation geht es um Unterschiede in den Wertesystemen von Kulturen.

Deutschland gilt in wissenschaftlichen Studien nicht als ein „Macho-Land“. Gleichberechtigung ist sehr wichtig und so können auch Väter Elternzeit nehmen. Trotzdem zeigt die Praxis, dass es die Frauen sind, die sich zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen. Eine Mutter wird nach einem langen Arbeitstag gefragt, was mit ihren Kindern sei und ob sie sie nicht vermissen würde. Ein Vater hört diese Frage wohl selten.

Wie ist das bei Ihnen und Ihrem Umfeld?

So wie Deutsche Lateinamerika als homogene Region sehen, so sehen Mexikaner Europa als homogene Region. Doch anhand von Themen wie Frauen im Management und Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zeigen sich deutliche Unterschiede in den Wertesystemen der europäischen Länder.

In Schweden ist die Familie sehr wichtig. Nach der Geburt eines Kindes nehmen beide Elternteile eine längere Pause und bleiben zu Hause. Danach arbeiten sie wieder ganztags. Diskussionen über Teilzeit- oder Vollzeitlösungen können sie nicht nachvollziehen. Der Arbeitstag in Schweden endet deutlich früher als in Deutschland, denn Familienzeit ist sehr wichtig. Das ist ganz klar eine Sowohl-als-auch-Lösung.

In Deutschland geht es nach der Entweder-oder-Lösung. Entweder Mami oder Manager. Beruf und Familie werden getrennt. Lange Arbeitszeiten sind im Management normal und es sind die Frauen, die zunächst für 6 – 24 Monate beim Nachwuchs bleiben. Danach arbeiten sie meistens als Teilzeitkraft. Väter nehmen mehr und mehr Elternzeit, wechseln aber nicht von einer Vollzeitstelle auf eine Teilzeitstelle.

In Spanien müssen die Frauen nach 4 Monaten wieder ganztags arbeiten. Dort hat man die Großeltern als Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

In Frankreich ist die Zahl der Frauen im Top-Management sehr hoch. Und wie der Anfangsdialog zeigt, ist dort eine Sowohl-als-auch-Lösung selbstverständlich. Sowohl Mami als auch Managerin.

Französische Eltern haben jedoch längere Arbeitstage als Eltern in  Schweden.

Diese Themen sind nicht nur für die Politik wichtig, sondern auch für Unternehmen. Wenn ein Unternehmen in verschiedenen Ländern tätig ist, so wird die Personalabteilung unterschiedliche Ansprüche der Arbeitnehmer erleben. Manager in einem internationalen Unternehmen müssen mit den unterschiedliche Erwartungen ihrer Mitarbeiter umgehen können. Internationale Unternehmen müssen eine Lösung finden zwischen globalen Richtlinien und lokalen Ansprüchen.

Eine Französin erwartet beispielsweise eine bestimmte Infrastruktur. Ein Schwede erwartet einen frühen Feierabend, um sein Kind vom Kindergarten abzuholen. Deutsche Eltern erwarten eine Elternzeit für Mann und Frau.

Anlässlich des Weltfrauentages, würde es mich interessieren, wie es in Ihrem Land ist. Wie sieht bei Ihnen die Praxis aus bei dem Thema Frauen bzw. Mütter im Management?

1 Comment

  1. Guten Tag Frau Sihlings,

    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag und Ihre Fragestellungen. Ihr Artikel zeigt wie so oft bei dem Thema die Kluft zwischen Möglichkeiten durch Settings und Rahmen durch die Politik einerseits und der tatsächlichen Praxis im Unternehmen und der Alltagsgestaltung der Akteure andererseits. Ein effektives Changemanagement greift da an, wo die organisationsbezogenen, wie kulturellen Grundlagen auf der Ebene des Individuums und auf der Ebene gelebter Unternehmenskultur für Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen.
    Vielleicht ist diese Veröffentlichung für Sie interessant?:
    http://tinyurl.com/6wndrtg

    Beste Grüße,

    Riadh Brisam

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